Evangelische Kirchengemeinde Torgau - 500 Jahre Reformation

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Die Schlosskirche auf Schloß Hartenfels in Torgau

 

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts war Torgau mit seinem Residenzschloss zum politischen Zentrum Sachsens und der Reformation geworden. Zur Vollendung seiner umfangreichen Bautätigkeit hatte Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige 1544 einen gottesdienstlichen Raum neu errichten lassen. Ganz in die Fassadengestaltung eines Schlossflügels einbezogen, ist die Kirche des Baumeisters Nickel Gromann äußerlich nur durch das plastisch reiche Portal des Torgauer Bildhauers Simon Schröter als sakraler Bau zu erkennen. Zwischen mittelalterlichen Bergfried und Hofstubenbau mit den kurfürstlichen Wohngemächern eingeschoben sollte diese Schlosskapelle kein besonderes Haus sein, „als wäre sie besser denn andere Häuser, wo man Gottes Wort predigt"; so sagt es Luther in seiner Kirchweihpredigt am 5. Oktober 1544.

 

Im Innern zeigt sich eine dreigeschossige überwölbte Halle von 23 m Länge, 11 Breite und nahezu 14 m Höhe, umzogen von steinernen Emporen. Unmittelbar gegenüber dem Eingang die von Simon Schröter geschaffene Kanzel in der Mitte der streng symmetrisch aufgebauten Längsempore: an der linken Schmalseite mit Ausrichtung nach Nordwesten der Altar und darüber die Orgel, an der rechten Schmalseite übereinander die beiden kurfürstlichen Emporen. Die Schlosskirche ist im wesentlichen in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten, auch zeigt sich die Ausstattungssituation heute ähnlich wie bei der einzigen vom Reformator gehaltenen Kirchweihe. Lediglich eine Veränderung ergab sich bei den umfangreichen Restaurierungsarbeiten vor der Widmung der Kirche zur Luther-Gedächtniskirche am 31. Oktober 1930: weil die von Simon Schröter gefertigte tragende Säule der Empore des Kurfürsten damals als verschollen galt, wurde an der rechten Seite nur ein schmaler Verbindungsgang zwischen den Längsemporen eingefügt.

 

Eine 1545 bei den Gebrüdern Hillger in Freiberg gegossene Bronzetafel feiert den ersten protestantischen Kirchenneubau in lateinischen Versen von dem Wittenberger Professor Johannes Stiegel. Diese Dedikationstafel gilt als frühes Denkmal der Reformation; ihr Lutherporträt gehört mit seiner Reliefwirkung zu den ausdrucksstärksten, die uns hinterlassen sind.

 

Luthers Torgauer Kirchweihe bedeutet eine eindeutige Abkehr von dem seit Jahrhunderten überkommenen Ritus einer Kirchweihe - ohne Konsekration und ohne Bischof. Predigt, Gebet und Lobgesang stehen im Mittelpunkt des Gottesdienstes. Die bauliche Gestaltung der neuen Kirche folgt Luthers Liturgievorstellungen. Es erstaunt nicht, dass die Torgauer Schlosskirche weltweit am Anfang des protestantischen Kirchbaus steht und diesen nachhaltig beeinflusst hat. Selten haben reformatorische Bekenntnisse eine derart ausstrahlende kulturelle Umsetzung erfahren. Torgau steht mit Wittenberg und Eisleben in der ersten Reihe der großen Lutherstätten.

Bezug der Torgauer Schlosskirche zur lutherischen Reformation

Mit der Schlosskirche auf Schloss Hartenfels in Torgau bekennt sich ein deutscher Renaissancefürst eindeutig zum Protestantismus. Sie ist insofern politisches und religiöses Bekenntnis. Das ist reformationsgeschichtlich von hervorragender Bedeutung, weil mit die Errichtung dieses Gebäudes der Einfluss politischer Eliten auf einen religiösen Erneuerungsprozess sichtbar wird. Welche Kraft hätte die lutherische Reformation ohne das Mitwirken der sächsischen Kurfürsten und anderer Reichsfürsten des 16. Jahrhunderts gehabt?

Weiterhin ist die Schlosskirche als historisches Zeugnis über den Einfluss protestantischer Theologie auf den Kirchenbau zu sehen. Der Altar, der nicht mehr als Blockaltar zur Aufnahme von Reliquien gestaltet ist, erscheint mit den vier die Altarplatte tragenden Engeln als Tisch, an dem die Gemeinde Abendmahl feiert.

Die drei Reliefs der Kanzel verknüpfen reformatorische Grundeinsichten mit dem Leben Jesu und stellen diese Bildlich dar:

1. Sola gratia; allein aus Gnade in Beziehung zu Jesu Umgang mit der schuldig gewordenen Ehebrecherin

2. Sola scriptura; allein die Schrift in Beziehung zum zwölfjährigen Jesus, der im Tempel die Schrift auslegt

3. Sola Fide, allein der Glaube rettet in Beziehung zwischen der ehernen Schlange aus dem Alten Testament  und Christus. Die Schlange auf dem Pfahl ist Zeichen der Errettung vom Tod und wird auf den Kreuzestod Christi gedeutet.

Die zentrale Anordnung der Kanzel entspricht ganz der Vorstellung von der zentralen Bedeutung der Predigt als der Verkündigung des Wortes Gottes.

 

Ein weiterer überaus wichtiger historischer Aspekt ist die Verbindung dieses Gebäudes mit dem Wirken des „evangelischen Urkantors“ Johann Walter, der als Freund Luthers maßgeblich an der Entwicklung der evangelischen Kirchenmusik beteiligt ist. Ohne ihn ist das Werk solch berühmter Komponisten wie Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdy nicht denkbar.

Johann Walter vertonte anlässlich der Kirchweih am 5. Oktober 1544 den 119. Psalm, der im Kirchweihgottesdienst von den Sängern der Torgauer Hofkapelle aufgeführt wurde.

 

Die Schlosskirche zu Torgau ist ein authentischer Ort der Reformationsgeschichte. Hier ist das Geschehen der Reformation greifbar und an historischem Ort nachvollziehbar. Dieses Gebäude kann immer wider zum Ort lebendiger Weitergabe evangelischer Traditionen werden.

Hans-Christoph Sens Torgau: Evangelische Schlosskirche Torgau
(Illustrator/Fotograf: Wolfgang Sens)

Sprache: deutsch
Verlag: Schnell und Steiner
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 31.08.2007
Farbabbildungen: 16 Illustrationen
S/W-Abbildungen: 1 Illustrationen
sonst. Abbildungen: 1 Grundriss
Einbandart: geheftet
Seitenzahl: 30
Format: 12 x 17 cm
Gewicht: 41 g
Lieferbarkeit: Lieferbar
ISBN: 978-3-7954-6694-7
3,00 EUR 

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