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Andacht

Liebe Leserinnen und Leser, ich weiß nicht, wie es Ihnen ging mit den Schneemengen vom zweiten Januarwochenende; ich jedenfalls fand es herrlich! Eine Welt in Weiß – unberührt und unschuldig, zumindest für einige Stunden, bis der Schneepflug kam und Salz und Splitt über das strahlende Weiß gestreut hat. Wie wunderbar hat die Schneedecke gefunkelt, als am Sonntag (11.1.) die Sonne hervorkam und die weite Winterlandschaft in gleißendes Licht tauchte! Viel zu schnell war die weiße Pracht dahin und das Graubraun wurde wieder die bestimmende Farbe.

So ein Stimmungswechsel passiert uns ja zu Beginn jeden neuen Jahres: wir begrüßen das neue Jahr mit funkelndem Feuerwerk (und viel zu viel Knallerei) und vielen guten Wünschen, auch manchem guten Vorsatz vielleicht. Aber das Feuerwerk geht in wenigen Minuten in Rauch auf, von der ganzen Knallerei bleibt nur ein Haufen Müll zurück und die guten Vorsätze sind meist schnell wieder vergessen. Der alte Trott hat uns auch in diesem neuen Jahr schnell wieder.

titel 02 26Was wäre denn, wenn wirklich etwas Neues beginnen und sich etablieren würde?! Wären Sie bereit für Neues? Ist das nicht ziemlich anstrengend, sich auf Neues einzustellen? Sind wir nicht alle „Gewohnheitstiere“, die sich am wohlsten im Vertrauten fühlen? Wir wissen doch, wie schwer es oft ist, Veränderungen zu akzeptieren und uns darauf einzustellen, sie auch noch froh und dankbar anzunehmen. Die Jahreslosung 2026 heißt: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ Im ersten Moment klingt das toll, wenn man hofft, dass Kaputtes wieder heil wird, dass Gescheiterte neu anfangen können, dass aus Sackgassen plötzlich Wege ins Offene werden und verloren Geglaubtes plötzlich wieder da ist. Im zweiten Moment werden manche vielleicht zurückschrecken, weil, wenn alles neu wird, eben vieles, an dem wir doch hängen, nicht mehr sein wird. Der Bibelvers stammt aus dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes. Ein apokalyptisches Buch, aufgeschrieben in apokalyptischen Zeiten, um Christen, die unter schwerer Verfolgung im Römischen Reich litten, Mut zu machen und Trost zu geben. In den Versen vor unserer Jahreslosung beschreibt der Seher Johannes die kommende Welt bei Gott, wo kein Leid, keine Tränen, kein Schmerz und kein Tod mehr sein wird. Diese Erwartung soll die in dieser Welt so Geplagten und Verängstigten aufrichten und zuversichtlich stimmen, soll ihnen einen Hoffnungssamen ins Herz legen, der aufgeht und wächst und Früchte trägt.

Genau an dieser Stelle treffen wir mit den frühen Christen damals zusammen. Auch in unserer Zeit erleben wir Gewalt, Terror und Krieg, erfahren Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit. Als Christen werden wir in unserem Land zwar nicht verfolgt, aber der zunehmende Bedeutungsverlust unseres christlichen Glaubens in unserer Gesellschaft, der mancherorts schon völlig vergessen scheint, fühlt sich für tapfere Gläubige doch sehr schmerzlich an. Da wünscht sich manche/r, dass sich etwas ändert, dass etwas neu wird. Manche sehnen sich ja nach vergangenen Zeiten, aber „Das Alte ist vergangen!“ – das weiß schon Johannes. Das, was gestern oder vorgestern war, wird nicht wiederkommen.

Richten wir also unseren Blick nach vorn, in dieses noch junge Jahr, in die Zukunft. Zu einem nicht unerheblichen Teil liegt es an uns, wie sie wird für uns: ob wir bereit sind für neue Wege, ob wir uns einbringen mit unseren Ideen und mit unserer Kraft, ob wir bereit sind, aufeinander zuzugehen, zuzuhören und mitzudenken, ob wir es schaffen, Altes zurückzulassen und uns auf Neues einzulassen. Wir dürfen in allem darauf vertrauen, dass Gott mit uns geht und uns immer wieder neu beschenken will mit seiner Gnade und mit seinem Segen.

Nach dem herrlich funkelnden Schneeweiß von Anfang Januar ist die Welt nun wieder graubraun und unansehnlich, aber bald werden die ersten Blüten aus der Erde und aus den Bäumen hervorkommen und bevor das nächste Gemeindeblatt in Ihrem Briefkasten steckt, werden die Farben in unsere Gärten und Parks zurückgekehrt sein und von neuem Leben künden – Gott sei Dank!